Rechtes Gedankengut ist kein rein ostdeutsches Phänomen

Leipzig, Demonstration von "Republikanern", Neonazis. (Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1990-0115-032 / Kluge, Wolfgang / CC-BY-SA)

Leipzig, Demonstration von „Republikanern“, Neonazis. (Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1990-0115-032 / Kluge, Wolfgang / CC-BY-SA)

Vor wenigen Tagen habe ich eine Kolumne über das Hatespeech-Problem in Social Media geschrieben, die konkret den Umstand anprangert, dass Nazi-Hetze auf Facebook von dem Unternehmen nicht gelöscht wird. Die Kolumne hat zu einem überragenden Teil anerkennende Zustimmung bekommen. Noch besser: Alle Leser – durch die Bank durch – haben sich einstimmig gegen rechtsradikale Hetze ausgesprochen. Ich bin sehr stolz auf unsere t3n-Community – die hier eine klare Haltung gezeigt hat. Dennoch fiel mir eine Sache auf, die ich in den Kommentaren las und die mir etwas Sorge bereitet.

Es geht um den Umstand, dass es aktuell ziemlich „en vogue“ ist, die Bürger der neuen Bundesländer in eine Nazi-Schublade zu stecken. Dresden, Freital, Tröglitz, Meißen und Heidenau finde ich als gebürtiger Ostdeutscher beschämend. Ich verurteile das zutiefst. Und ja, ich glaube auch, dass weite – vor allem ländliche – Teile im Osten ein großes Problem mit Nazis haben. Jedoch denke ich nicht, dass die rechte Szene ein rein ostdeutsches Phänomen ist.

Erinnern wir uns doch bitte auch an den Oktoberfest-Attentäter Gundolf Köhler, der der rechtsradikalen Wehrsportgruppe Hoffmann angehörte. Oder aktuell an Dortmund und den dort ins Amt gewählten „SS-Siggi“, der es sich nicht nehmen lassen hat, direkt mal mit ein paar Faustschlägen ins Rathaus einzuziehen. Und erinnern wir uns bitte auch an die HoGeSa-Demonstrationen in Köln. Oder an den Bonner Pegida-Ableger Bogida und seiner rechten Organisatorin Melanie Dittmer, die ausführlich in den Medien thematisiert wurde. Nazis gibt es leider überall. Das ist kein rein ostdeutsches Phänomen!

„Einen Nazi erkennt man nicht an seiner Herkunft, man erkennt ihn anhand seiner Aussagen und Taten!“

Was wir meiner Meinung nach derzeit sehen, ist vor allem eine Zentralisierung von rechtsradikalen Aktionen in Sachsen. Dass sich dort angeblich nur Ostdeutsche einfinden, um zu krakeelen und zu toben, erscheint mir aber viel zu kurz gedacht. Schon Pegida hat gezeigt, dass sich eine Art ausländerfeindlicher Tourismus entwickelt hat, der Menschen aus weiten Teilen der Bundesrepublik anlockt. Ich glaube, dass auch viele rechtsgesinnte Menschen dem Ruf der Nazis nachkommen, die nicht ausschließlich aus dem Osten kommen.

Es ist gefährlich mit dem Finger auf Leute zu zeigen und sie für die Verfehlungen anderer in Sippenhaft zu nehmen. Rechte tun das auch oft, indem sie kriminelle Einwanderer mit rechtstreuen Einwanderern in einen Topf schmeißen und behaupten, die würden doch alle nur stehlen und so weiter. Doch es ist wie es ist: Wie sozialisiert ein Mensch ist, hat nichts mit seiner Herkunft zu tun, sondern mit seinen Lebenserfahrungen. Somit erkennt man einen Nazi auch nicht an seiner Herkunft. Einen Nazi erkennt man an seinen Aussagen und Taten. So viel Zeit zur Einordnung muss schon sein.

Sich über die Stigmatisierung von Menschen aufzuregen, um dann andere zu stigmatisieren, bringt nichts. Es sorgt nur für weitere Feindbilder – wovon wir doch eigentlich schon viel zu viele haben!


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