176 Straftaten gegen Asylunterkünfte in der ersten Jahreshälfte 2015 – das sind rund 29 pro Monat

Eigentlich wollte ich dazu ja einen längeren Text schreiben. Darüber, wie widerlich es ist, dass Unterkünfte für Asylsuchende wie in Tröglitz oder Limburgerhof angezündet werden. Unterkünfte, die unter anderem auch für Kriegsflüchtlinge erbaut worden, die sowieso schon alles verloren haben.

Doch ich glaube, dass man dazu nichts schreiben kann, was nicht schon an unzähligen Stellen in den letzten Monaten geschrieben wurde. Insofern lasse ich einfach mal diese Zahlen für sich sprechen, die ich auf Anfrage vom Bundesministerium des Inneren übermittelt bekommen habe.

Straftaten gegen Asylunterkünfte der Jahre 2011, 2012, 2013, 2014 und 2015. (Stand: 29. Juni 2015)

Straftaten gegen Asylunterkünfte der Jahre 2011, 2012, 2013, 2014 und 2015. (Stand: 29. Juni 2015)

Satte 176 Straftaten gegen Asylunterkünfte wurden allein bis zum 29. Juni 2015 im gesamten Bundesgebiet gezählt – das sind im Durchschnitt rund 29 pro Monat oder anders gesagt, fast ein Übergriff pro Tag. Davon gehen 151 nachweislich auf das Konto von Rechtsradikalen. 25 Straftaten konnten hingegen nicht zugeordnet werden – wobei man sich der Gesinnung der Täter wohl auch ohne großes Grübeln ziemlich sicher sein kann.

Vollzieht sich der Trend weiter wie bisher, wird die traurige Marke von 198 Straftaten aus 2014 wohl bis zum Ende des Jahres noch um einiges übertroffen werden. Ein ziemliches Armutszeugnis für Deutschland.


((Am Rande: Wie in dem Screenshot zu lesen ist, wurde die Erfassung der Daten zu Beginn des Jahres 2014 von einer sogenannten „Clearingstelle“ im BKA übernommen, nachdem sie vorher „händisch“ durchgeführt wurde. Aufgrund dessen kann man die Jahre 2011 bis 2013 wohl nicht mit den Jahren 2014 bis 2015 vergleichen. Falls da jemand eine genau Erklärung hat, worin sich die Meldung an eine Clearingstelle von einer „händischen“ Meldung unterscheidet, wäre ich froh über ein Hinweis in den Kommentaren.

Interessant ist auch, dass anscheinend keine bundesweiten Daten bezüglich der Straftaten gegen Asylunterkünfte für den Zeitraum vor 2011 vorliegen. Ob das gleichwohl bedeutet, dass es dazu in den Landesämtern auch keine Statistiken gibt (… es wäre ja ein Leichtes gewesen, diese Zahlen im Sinne einer bundesweiten Statistik zusammenzutragen), habe ich als Folgefrage ebenfalls per Mail an das BMI gerichtet – die Antwort steht allerdings noch aus und wird an dieser Stelle sofort nachgereicht.))


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4 Kommentare

  1. UDo · Juli 16, 2015

    Tippe mal ins Braune rein: Vor 2011 bzw. vor dem NSU(-UA) oblag es allein den Landeskriminalämtern, diese Einstufung vorzunehmen. Eine der wenigen Konsequenzen aus dem Totalversagen der Sicherheitsbehörden bei der rechtsextremen Terrorzelle NSU war, Fälle auch retrospektiv nochmal neu zu bewerten. Im Rahmen dessen gingen bereits in Zweifel gezogene Fälle zurück an die Landespolizeien, und soweit ich mich erinnern kann haben die teilweise schon und überraschend selbstkritisch neu beurteilt, sodass die von Ehrenamtlichen aus den Medien zusammen getragenen Fälle tatsächlich die Gesamtzahl erhöht haben, womit die Landespolizeien die zentralisierte Beurteilung somit nachträglich legitimiert haben.

    • andwec · Juli 16, 2015

      Danke für diese Einschätzung. Hat jemand eine andere Theorie dazu?

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