„There Will Be Blood“ – oder: Warum Spotify sich gegenüber Apple Music warm anziehen kann

Filmausschnitt aus „There Will Be Blood“ mit Daniel Day Lewis: Wie behauptet man sich auf einem zukunftsträchtigen Markt?

Filmausschnitt aus „There Will Be Blood“ mit Daniel Day Lewis: Wie behauptet man sich auf einem zukunftsträchtigen Markt?

„There Will Be Blood“ heißt ein US-amerikanisches Filmdrama aus dem Jahr 2007, das von einem jungen Schürfer handelt, der sich mit Fleiß und einer beispiellosen Geschäftstüchtigkeit zu einem erfolgreichen Ölunternehmer und Multimillionär hocharbeitete. Auf seinem Weg sah und sieht er sich ständig neuen Hürden gegenüber. Vor allem die übermächtige Konkurrenz durch Standard Oil machte Plainview, der von Daniel Day Lewis gespielt wurde, an einigen Stellen schwer zu schaffen. Wie behauptet man sich auf einem hartumkämpften, zukunftsträchtigen Markt? Nimmt man den Kampf mit den Großen auf? Zieht man sich zurück? Die Geschichte, die in Kalifornien um 1900 spielte, ist eine, wie sie alle paar Jahrzehnte immer wieder neu geschrieben wird. Auch heute ist sie aktueller denn je. Auch heute werden diese Unternehmermythen vorwiegend in Kalifornien geboren. Und auch heute schenkt sich keiner auch nur das kleinste Stück ertragreichen Boden. Es geht um alles – oder nichts!

Hievt man die Geschichte in unsere heutige Zeit, dann könnte sie aktuell mit dem Kampf einiger Unternehmer um den Streaming-Markt verglichen werden. Lange Zeit war es ruhig in dem Bereich. Diverse Player haben so vor sich hin gewerkelt. Spotify gilt unter allen seit Jahren als treibende Kraft und Vorreiter des Musik-Streamings. Das Unternehmen wächst konstant. Ist mehrere Milliarden wert. Und doch – wie auch bei Plainview im oberen Szenario – ist das noch lange nicht genug. Wer jetzt nicht strategisch richtig agiert, könnte alles wieder verlieren. Dabei kommt die größte Gefahr nicht von anderen Startups, sondern von den großen IT-Konzernen, die übermächtig sind und vor allem mit Geld um sich werfen können. Spotify steht genau dieser Konkurrenz seit vergangenem Montag gegenüber – als Apple sich dazu entschied in den Markt einzutreten und einen eigenen Service aufzusetzen: Apple Music.

apple-music-spotify-konkurrenz

Mit Bekanntwerden der Nachricht, stieg auch die Spannung: Kann Apple Music mit Spotify mithalten? Dem Startup mit schwedischen Wurzeln eventuell sogar gefährlich werden? Beobachter sind sich uneins: Der eine hätte von Apple mehr Innovation erwartet. Einfach nur einen Spotify-Klon aufzusetzen und ein paar Social-Features einzufügen reicht nicht, um dem geliebten Underdog gefährlich zu werden. Die anderen glauben, dass ein gut durchdachter Klon mit viel Liebe zum Detail und grafischen Akzenten genau der erste logische Schritt war, um den Kampf aufzunehmen. Apple muss das Rad nicht neu erfinden. Apple muss nur wissen, es schneller zu drehen!

Die Innovation blieb aus, doch das Angebot ist trotzdem gut!

Zu letzteren Personen gehöre auch ich. Ich habe die WWDC 2015 neugierig verfolgt. Nicht zuletzt weil ich Apple-Aktionär bin und glaube, dass der Eintritt in den Streaming-Markt notwendig ist, damit Apple auch zukünftig sein eigenes Ökosystem attraktiv halten kann. Die Musik-Downloads aus iTunes, die erheblich dazu beigetragen haben, dass neben dem iPod auch das iPhone zu dem Erfolg wurde, das es wurde, gehen konstant zurück. Die Nutzer wollen Musik nicht mehr besitzen, sie wollen sie abrufen. Wie kann ein Unternehmen, dessen DNA so dermaßen von Musik durchzogen ist, hier nicht aktiv werden? Die Erleuchtung kam spät. Aber sie kam.

Apple hat sich dazu entschieden loszulegen. Das Ergebnis kann sich meiner Meinung nach sehen lassen. Die Benutzeroberfläche ist ein Hingucker. Die Usabilty ergibt Sinn – vielleicht sogar mehr als bei Spotify. Die Anzahl der Titel beträgt bei beiden in etwa 30 Millionen Musikstücke. Und auch der Preis steht dem von Spotify in nichts nach – knapp 10 US-Dollar kostet das einfache Abonnement. Einziges Alleinstellungsmerkmal ist derzeit das Familienangebot – knapp 15 US-Dollar kostet es, wenn sechs Personen den Dienst gleichzeitig nutzen wollen. Wie dehnbar der Begriff „Familie“ ist, wird sich jedoch noch zeigen. Spotify hat übrigens schon angekündigt hier nachzubessern – Multiple-Accounts werden wohl kommen. Als Anreiz zum Wechsel macht Apple die ersten drei Monate für alle Nutzer kostenlos. Ein Contra ist, dass es noch keinen Webclient gibt. Doch dass Apple auch diesen Makel beheben wird… davon kann man wohl ausgehen. Das, was wir bisher sehen, ist gut genug, um ernstgenommen zu werden – aber das macht noch nicht die eigentliche Kampfansage aus.

800 Mio. zahlende iTunes-Kunden sind nur einen Klick entfernt

apple music

Warum ich glaube, dass Apple Music ein gefährlicher Spotify-Konkurrent wird? Ganz einfach: Apple startet nicht bei Null. Das Unternehmen wird sich neben gewohnt guter Technologie vor allem auch durch ein gigantisches Marketing-Budget und der Fähigkeit einen harten Preiskampf auszutragen, hervortun. Zudem wird Apple Music mit ziemlicher Sicherheit an der Musiklabel-Front für neue Standards sorgen, wenn es um den Verdienst geht. Der Umstand, dass noch nicht allzu viel Geld zu holen ist in dem Bereich, macht es Spotify und Co. während der harten Lizenz-Verhandlungen mit den Majors deutlich schwer. Apple hingegen wird einfach in Vorkasse gehen. Es geht nicht darum mit dem hauseigenen Streaming-Dienst schnellstmöglich hohe Einnahmen zu generieren. Es geht wie immer nur darum die Menschen an die eigene Plattform zu binden – und somit schlussendlich den Verkauf der Geräte anzufeuern. In die Hände spielen Apple zudem die 800 Millionen zahlenden iTunes-Kunden. Der Umzug ist nur einen Klick entfernt.

„There will be blood!“, es wird Blut fließen – genau wie in dem Filmklassiker von Paul Thomas Anderson. Da bin ich mir mehr als sicher! Apple Music ist bis dato der einzige Player, der Spotify ernsthaft gefährlich werden kann und werden wird. Sie haben den längeren Atem und sie werden das Startup nicht mit Samthandschuhen anfassen. Warum auch? Es geht um so viel…


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