Wenn ich mal sterbe, will ich einen QR-Code auf einer Steintafel


Vor ein paar Tagen war der 10. Todestag von Hunter S. Thompson – ich habe darüber an dieser Stelle ein paar Worte geschrieben. Wer den Lebenslauf von dem Ausnahmejournalisten kennt, weiß, dass er Zeit seines Lebens enorm abgefahrene Geschichten produziert hat. Eine der abgefahrensten war die um seine Beerdigung. Eine riesige Faust mit zwei Daumen, in der im Inneren eine Kanone steckte, schoss seine Asche während der Gedenkfeier in den Himmel. Sein guter Freund Johnny Depp setzte den Plan, den Thompson im Vorfeld ausgearbeitet hat, in die Tat um. Depp hat dafür angeblich zwei Millionen US-Dollar hingelegt. Was für eine Geldverschwendung wird der ein oder andere jetzt denken. Aber hey… why not?

Thompson hätte von den zwei Millionen eh nichts mehr gehabt. Und Johnny Depp, nun ja? Der nimmt allein 20 Millionen Gage pro Kinostreifen, plus Schmand – wie man so schön sagt. Was sind da schon zwei Millionen für einen guten Buddy?

„Ich will ein QR-Code auf einer Steintafel, und Element of Crimes ‚Hotdog unten am Hafen‘ zum Abschied“

Dieser Anlass brachte mich zum Nachdenken, wie ich mal beigesetzt werden möchte. Wenn ich mal sterbe, möchte ich auch lieber eine eher unkonventionelle Beerdigung. Da ich aber keine Familienmitglieder oder Freunde oder Gönner habe, die zwei Millionen in meine Beisetzung stecken könnten, kommen hier ein paar Wünsche, die sich sicherlich im Rahmen der gängigen Mittel umsetzen lassen – keine Angst, es muss nichts in die Luft gejagt werden!

qr-code-grabstein

Doch kommen wir als erstes zum vielleicht doch eher konventionellen Part. Ich möchte auf jeden Fall eingeäschert werden. Was ich nämlich echt nicht so cool finde ist, dass ich als Nahrung für irgendwelche Krabbeltiere herhalte. Nichts gegen Krabbeltiere, aber ich muss sie nicht unbedingt in der Mundhöhle oder in der Nase oder im Ohr haben – geschweige denn in anderen Körperöffnungen. Außerdem ist eine Verbrennung auch günstiger – so wurde es mir jedenfalls gesagt… (Faktencheck spar ich mir an der Stelle.)

Zu Beginn der Zeremonie möchte ich, dass das „Cloud Atlas Sixtet“ von Tom Tykwer gespielt wird. Ich mag den Song sehr und noch viel lieber mag ich den Film, für den der Song geschrieben wurde (… und der übrigens auf ein wirklich gutes Buch basiert). Die Geschichte handelt – wie der ein oder andere wissen wird – von Menschen, die in verschiedenen Epochen leben und deren Taten direkte Auswirkungen auf die Zukunft haben. Was du heute tust, wird die Dinge von morgen beeinflussen. Und wenn es so etwas wie eine Seele gibt, dann wird sie mit den eigenen Taten wachsen. Diese „Message“ soll jedem Besucher meiner Beisetzung in Erinnerungen gerufen werden.

Nachdem einer der Gäste (… und nicht etwa ein wildfremder Offizieller) anschließend eine paar Worte spricht, möchte ich gerne, dass „Dream On“ von Aerosmith gespielt wird. Denn auch dieser Song hat einige Passagen zu bieten, die meines Erachtens den sprichwörtlichen Nagel des Lebens auf den Kopf treffen. So, wie dieser Part hier:

„Half my life’s in books‘ written pages
Live and learn from fools and from sages
You know it’s true
All the things
Come back to you!“

Einfach ein klasse Song! Außerdem find ich den Gedanken witzig, dass ein Rock-Song auf meiner Beisetzung gespielt wird. Das hat auch irgendwie etwas rebellisches, so etwas unbequemes – was glaub ich meta-mäßig auch ganz gut zu mir passt.

So, kommen wir jetzt zum unkonventionellen Teil: Das durch die Einäscherung gesparte Geld soll in einen QR-Code (… oder irgendeiner anderen Technologie, die sich anbietet) fließen, der auf einer kleinen Steintafel abgebildet wird. Wer den scannt, wird auf diesen Blog weitergeleitet.

Denn, so lange ich lebe und dazu fähig bin, werde ich hier meine Gedanken festhalten. Wer mich also besucht, kann in dem Sammelsurium etwas herumlesen. Memoiren im hohen Alter zu schreiben, spar ich mir insofern. Vermutlich werde ich später eh zu durcheinander sein, um einen geraden Satz zu schreiben. Außerdem brauch ich auch keine eingepflanzten Begonien auf dem Grab. Einfach eine kleine Steintafel, die übrigens auch den Vorteil hat, dass sie, sobald das Grab wieder freigegeben wird, in den Garten, auf den Kaminsims oder auf Klo geparkt werden kann.

Kommen wir zum Schluss, quasi zum erfreulichen Teil! Wer mich kennt, wird wissen, dass ich für eine gute „Quality Time“ schon mal etwas Hochprozentiges öffne. Typisch ist ja, dass die Menschen etwas Sand ins Grab werfen, während sie sich von dem Verstorbenen verabschieden. Ich möchte aber, dass sie mit mir ein letztes Mal einen heben. Heißt: Ein Schnaps für dich, ein Schnaps für mich! Im Hintergrund soll dann „Ein Hotdog unten am Hafen“ von Element of Crime gespielt werden. Am besten live vorgetragen von jemandem, der Akustikgitarre spielen kann. Ja, das wäre cool!

Achso, und komme was wolle, ich möchte dass meine langjährigen besten Freunde – die ich nicht unbedingt namentlich nennen muss, da sie wissen, wer gemeint ist – auf dieser Beisetzung erscheinen. Egal, ob sie von Melbourne oder Bogota aus anreisen oder um Freigang bitten müssen. Wenn da einer nicht kommt, komm ich zu ihnen! Und zwar als Gespenst!

Geht doch klar, oder?


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