Emotionale Headlines haben einen schlechten Ruf – zu oft völlig unbegründet

Drüben auf t3n.de habe ich heute einen Artikel geschrieben, der beschreibt wie Facebook ein Feature gekappt hat, das es Nutzern bisher ermöglichte, das eigene Profil vor Dritten zu verstecken. Das Feature machte es auch möglich, dass man bei Bedarf beispielsweise nicht in der Facebook-Suche gefunden wurde. Im Rahmen der kürzlich ausgerollten Graph Search, hat sich das Credo allerdings verändert: Profile werden künftig für alle öffentlich einsehbar sein und nicht zuletzt in der Suche angezeigt. Nicht einsehbar sind alle Inhalte, die nur Freunden oder bestimmten Listen gezeigt werden.

Die Headline, die ich gewählt habe, hieß: „Facebook macht alle Profile öffentlich: Kein Schutz mehr vor fremden Blicken“ – (der Vollständigkeit halber: der Gewinner im a/b-Test).

Zugegeben: Man hätte es sachlicher formulieren können. Und nach der Veröffentlichung startete auch eine kleinere Diskussion auf Facebook und Google+ darüber, dass die Headline und der Beitrag völlig reißerisch wären und man das Thema unnötig aufgebauscht hat. Man könne doch immer noch die Inhalte verstecken. Meine Reaktion: „Ja, guten Morgen! Steht doch im Artikel!“

Ich beobachte immer wieder, dass Leser sich von Headlines leiten lassen, direkt kommentieren und die Troll-Keule auspacken, oder den Artikel teilen und emotionsgeladen einen völlig falschen Inhalt wiedergeben – lesen tun irgendwie die Wenigsten, wie es scheint. Das Blöde: Diskussionen werden dadurch oft von Anfang an, in eine völlig falsche Richtung gelenkt. Und der Autor beziehungsweise das Medium bekommt auf den Deckel.

Ganz ehrlich, entspannt euch doch mal. Attackiert nicht den Absender, sondern den Konsumenten für sein völlig falsches Nutzerverhalten. Headlines sind dafür da eine Aufmerksamkeit zu schaffen. Die Informationen sind im Artikel und bevor man sich über etwas lauthals beschwert, sollte man sich vorab doch wenigstens informieren was hinter der Headline steckt. Leute, die das nicht tun, bauschen mit ihrer Mundpropaganda Themen auf, nicht die Inhalte-Anbieter, die im Text eine völlig sachliche Wiedergabe des Themas präsentieren.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Headlines sollten keinesfalls etwas vorgaukeln, das nicht stimmt. Aber ist es doch völlig egal, wenn man mit einigen stilistischen Tricks, für Aufmerksamkeit sorgt, solange im Beitrag mit Sachlichkeit und Richtigkeit aufgeklärt wird. Und ist es nicht vielmehr so, dass eine emotionale Headline (die nicht die Unwahrheit spricht), ein Thema viel besser transportiert und der Sachverhalt dadurch viel mehr Leser erreicht? Ist das nun schlecht? Nach meinem Verständnis nicht…

Von daher plädiere ich einerseits dafür, dass Leser nicht immer gleich mit ihrer Meinung reaktionär losschießen, sondern erst einmal den Inhalt der Nachricht erfassen sollen. Und zweitens dafür, dass man seine Einstellung zu aufmerksamkeitsschaffenden Überschriften mal überdenkt: Es liegen Meilen zwischen einer volksverhetzenden „Bild“-Zeitung, die unwahre und populistische Überschriften, inklusive gleichwertigen Inhalt liefert und einem x-beliebigen anderen Medium, das zwar mit Emotionen in der Überschrift spielt, aber im Anschluss eine völlig richtige und sachliche Berichterstattung liefert.

Was erwartet ihr eigentlich von einer Headline? Und findet ihr es in Ordnung, wenn man darin mit Emotionen spielt, solange sie keine Unwahrheiten verbreitet? Ich freu mich auf eure Kommentare…


Titelbild: FLICKR Joel Kramer (CC BY 2.0)


3 Kommentare

  1. Jakob · Oktober 11, 2013

    Stimme dir vollkommen zu. Gerade in Tech-Blogs/-Magazinen nervt es mich in letzter Zeit oft, dass jeder genau die gleiche Überschrift nimmt und darin null Emotionen o.ä. untergebracht sind. Ist zwar in dem Themenbereich auch eher schwierig, aber trotzdem kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass ich etwas plakativere Überschriften, die sich von der Masse abheben, mit höherer Wahrscheinlichkeit lese. Sollte natürlich wie du schon sagst, trotzdem fachlich gut recherchiert sein usw.
    Publikationen auf BILD-Niveau meine ich nicht 😉

  2. andre · Oktober 11, 2013

    Die Überschrift muss natürlich zum Text passen. Wenn ich eine emotionale Überschrift nutze, erwarte ich entsprechend meinungsstarke Beiträge. Ein Text der kompakt Fakten bringt sollte entsprechend eine sachliche Headline haben.

  3. Andreas Weck · Oktober 11, 2013

    Auch kein schlechter Einwurf, Andre.