Saturiert verschwindet die Republik in weitere vier Jahre Stillstand #btw13

Das war sie also die Bundestagswahl. Enttäuscht? Ja, ein wenig. Das Ergebnis hält aber gute und schlechte Resultate bereit. Ich bin glücklich, dass die FDP und die AfD nicht in den Bundestag eingezogen sind, bin aber auch ein wenig enttäuscht, dass die PIRATEN sich nicht wirklich verbessern konnten – laut SZ.de nur um 0,2 Prozentpunkte. Die Linken und die Grünen haben die Plätze gewechselt, somit ist die Gysi-Partei nun drittstärkste Kraft im Land. Was mir nach dieser Bundestagswahl aber vielmehr im Kopf herumschwirrt, ist die Erkenntnis, dass sich scheinbar immer weniger Menschen mit Themen anstatt mit Köpfen auseinandersetzen. Denn Inhalte, bot die Union, die ein außerordentliches Wahlergebnis vorweisen kann, kaum – die CDU/CSU hat die Wahl allein mit Merkel gewonnen. Dieser Wahlkampf erinnert an amerikanische Verhältnisse.

Es ist einfach unfassbar, wie man sich vorab auf Deutschlandketten, Raute-Gesten und Stinkefinger gestürzt hat – ja auch ich mit dem ein oder anderen Tumblr und Mem. Und wie wenig – auch Wähler in meinem Umfeld – tatsächlich wussten, was die einzelnen Parteien eigentlich wollten. Auf die Frage hin, ob sie das überhaupt wissen wollen, bekam ich des Öfteren nur ein Schulterzucken. Angesichts der Tatsache, dass wir in dieser Bundestagswahl wieder rund 30 Prozent Nichtwähler hatten, frag ich mich schlussendlich, ob wir in unserer Wohlstandsgesellschaft überhaupt noch Lust haben, politische Verantwortung zu übernehmen. „Satt, sorglos, Deutschland“ schrieb der SPIEGEL (ich glaube 29/13) während des Wahlkampfes und schob hinterher: „Die Bundesbürger erleben den Wahlkampf den sie verdienen – sie sind zu selbstzufrieden für große Kontroversen“.

Doch warum ist das so? Warum stehen wir so wenig für kontroverse Belange ein? Warum überlassen wir kampflos den Konservativen, die scheinbar mehr auf Wirtschaftszahlen setzen, anstatt auf soziale Gerechtigkeit, das Feld? Warum diskutieren wir so wenig über Mindestlohn, Asylrecht oder Chancengleichheit? In diesen Punkten gibt es viele konträre Standpunkte innerhalb der deutschen Parteienlandschaft. Werden diese Belange ausgehebelt, erscheinen unwichtig, solange man nur genug Netto vom Brutto hat? Ich hoffe die CDU/CSU verspekuliert sich mit ihrer Köpfe-statt-Themen-Politik und erlebt einen tiefen Knacks, wenn Frau Merkel irgendwann nicht mehr ist, und die Union solch Bauernfänger wie beispielsweise den Kauder für eine Wahl ins Rennen schickt. Vielmehr jedoch hoffe ich, dass die deutschen Wähler sich wieder mehr ihrer Gestaltungskraft bewusst werden, und sich hoffentlich zur nächsten Wahl nicht wieder von Köpfen, sondern Themen leiten lassen. Doch solange heißt es erst einmal: saturiert verschwindet die Republik in weitere vier Jahre Stillstand.


Titelbild: Screenshot YouTube


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