Online-Werbung, Paywalls und Abo-Modelle – Mach doch, aber bitte kundenfreundlich!

Online-Werbung, Paywalls und Abo-Modelle – das ist die heilige Dreifaltigkeit der Verlagswelt, mit der sie die Leser wieder in die Pflicht nehmen will, auch im Internet für journalistische Angebote zu zahlen. Eines ist klar: Guter Journalismus wächst nicht auf Bäumen und er muss finanziert werden können. Da sind sich in der Regel alle Parteien einig – egal ob konservativer oder liberaler Natur. Und aktuell sind wir in einer „Trial and Error“-Phase in der man gewisse Dinge testen muss, um zu wissen, wo die Stärken und Schwächen liegen und natürlich auch, ob die einzelnen Methoden in letzter Instanz für das jeweilige Medium überhaupt funktionieren. Und damit meine ich vor allem, ob der Leser da mitspielt.

Leider hört man dieser Tage – in diesem Rahmen – wieder vermehrt den Vorwurf der Kostenloskultur im Netz – täglich grüßt das Murmeltier. Alles muss unentgeltlich im Netz abrufbar sein und dann ist der Kunde nicht mal bereit seinen Adblocker auszuschalten, um das Kostenlosprodukt zumindest mit ein paar Seitenaufrufen und TKPs (Tausender-Kontakt-Preis) zu unterstützen. Der geschätzte Journalist und Verleger Jakob Augstein meint: „[…]der Leser hat im Netz das Zahlen für Inhalte verlernt“. Was für ein Quatsch!

Natürlich hat der Leser es nicht verlernt. Nicht umsonst fahren Amazon, Apple oder Google mit ihren Verkaufsplattformen pro Quartal (!) hunderte Millionen ein. Mit iTunes verzeichnet Apple inzwischen längst Umsätze in Milliarden-Höhe. Wie das? Ganz einfach – der Zahlvorgang ist übersichtlich, die Produktinformationen sind transparent und die Preise sind realistisch kalkuliert. Vielleicht gibt es deshalb von der Kundenseite immer wieder Kritik, wenn Verleger sich mit absurden Bezahlschranken nach vorne wagen. Eine Paywall, die den einzelnen Artikel mit 20 Cent abrechnen möchte, ohne dass man weiß, was der Beitrag hergibt? Wer kauft schon gerne die Katze im Sack? Absolut Niemand. Auch am Kiosk, nimmt man die Zeitung oder das Magazin in die Hand, blättert ein wenig darin rum und liest kurz in den bevorzugten Artikel rein, bevor man das Portemonnaie zückt.

Gleiches Dilemma zeichnet sich für mich ab, wenn wir über Online-Werbung reden. Ich bin ein deutlicher Gegner des Adblockers und doch bin ich in der Lage, das Problem mit der Banner- und Layer-Werbung im Netz zu erkennen und dem Kunden gewisse Ansprüche zuzugestehen. Es kann nicht sein, dass man auf einer Artikelseite mit bis zu 15 Werbebotschaften konfrontiert wird, die dann streckenweise auch noch wild blinken – wie Leuchttürme die Seefahrer vor gefährlichen Untiefen schützen wollen. Beschweren wir uns nicht auch, wenn wir Printausgaben sehen, in der jede zweite oder dritte Seite eine Anzeige ist?

„Fair enough“ – nicht jedes Medium, vertritt diese Mentalität und doch wird die gesamte Branche durch reichweitenstarke Medien-Protagonisten wie beispielsweise Focus Online im Netz in Mitleidenschaft gezogen. Wer dort einmal reingeschaut hat, der wird von Layer-Werbung für die eigene Facebook-Fanpage, von Videowerbung, die sich über Artikel stülpt und von jeder Menge bewegter Flash-Banner begrüßt. Focus Online – eine Seite, die ich nie wieder besuchen werde. Andere werden dadurch motiviert, sich Adblocker reinzuladen. Das sind aber auch keine Journalisten, die wissen wie solch ein Apparat funktioniert, das sind einfache Menschen, die hörten, dass man dieses Dauerfeuer ganz einfach aussperren kann.

Und dann die Geschichte mit den Abo-Modellen. Für mich eigentlich ein sehr gangbarer Weg. Pro-Content, der bezahlt wird und der für den Otto-Normalo vielleicht eh keine Relevanz besitzt. Axel Springer hat für seine „Bild“-Online-Ausgabe nun das Paket „BILDplus“ geschnürt. Vom 11. Juni an wird ein Teil der Online-Inhalte nicht mehr frei verfügbar,  sondern nur noch in Form eines digitalen Monatsabos oder durch einen Gutscheincode, der in der gedruckten „Bild“-Zeitung ausliegt, erreichbar sein. Meinetwegen, aber auch hier muss gehalten werden, was versprochen wird. So nimmt Stefan Niggemeier auf Faz.net beispielsweise das Hamburger Abendblatt in die Pflicht und zeigt welches Gefahrenpotential hinter diesen Abo-Modellen schwirrt:

„Mit der Überschrift „Polizei schießt auf Bewaffneten auf dem Kiez – hier im Video“ verleitet es zufällige Besucher auf seinen Internetseiten dazu, das notwendige Abo oder einen Tageszugang zu kaufen, um die Bilder sehen zu können. (Die stellen sich dann als Amateuraufnahmen heraus, bei denen das, was die Überschrift ankündigt, nicht zu sehen ist, weil die Bilder „zu brutal sind, um sie hier zu zeigen“.)“

Für mich eine so eindeutige Verarsche, dass ich mir vermutlich dreimal überlegen würde, ob ich dem  Hamburger Abendblatt ein zweites Mal auf den Leim gehe.

Ein ganz anderer Gedanke meinerseits – idealistischer Natur – ist, was passiert mit tatsächlich qualitativen Inhalten hinter dieser Schranke, sobald sie ihre Schuldigkeit gegenüber dem Verlag getan haben? Brechen die Beiträge dann nach gewisser Zeit aus ihrem „Walled Garden“ aus? Oder versauern diese darin – für ewig verschlossen für die Menschen, die nicht im elitären Kreise der Abonnenten sind? Eigentlich schade, wenn ein gutes Stück, dass mit viel Herzblut eines Journalisten geschrieben wurde, verdammt dazu ist, vermutlich nie wieder gelesen zu werden.

Es gibt viel nachzujustieren, bei der Debatte um die Finanzierung des Online-Journalismus und bei der Entscheidung, welches Geschäftsmodell tragbar ist – für den Verleger, aber auch für den Leser. Worauf ich allerdings keine Lust habe, sind pauschale Verdächtigungen, Vorwürfe und die fehlende Bereitschaft, auch einmal das eigene Versagen zu thematisieren. Ich bin Journalist, der unter einem Verlag sein Geld verdient, ich bin aber auch Leser und ein Freund des freien und offenen Netzes. Was ich leider viel zu oft lese, sind Schwarz-Weiß-Artikel, die entweder die Verleger als Buhmänner oder Leser als Schmarotzer deklarieren. Warum diese Feindseligkeit? Verleger müssen auf die Ansprüche ihre Kunden hören und Leser müssen lernen, dass nicht jedes Medium Focus Online oder das Hamburger Abendblatt ist.

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Titelbild: FLICKR – JasonParis (CC BY 2.0)


3 Kommentare

  1. alenz · Juni 8, 2013

    +1! spricht mir aus der seele!

    mich würde ja das ergebnis einer umfrage unter journalisten, nach deren präferierten contentvermarktungswegen interessieren. aktuell hab ich das gefühlt, als bemerken viele journalisten nicht, dass durch die zurückgehenden print-absatzzahlen, sinkenden print werbeerlöse und die steigenden adblockerquoten, die eigenen gehälter und jobs in gefahr sind. also muß es doch eher “her display ads, adwalls und paywalls” heißen oder? 😉

  2. Andreas Weck · Juni 8, 2013

    Wenn ich mich entscheiden müsste, dann würde ich das werbefinanzierte Modell immer vorziehen. Alleine schon deshalb, weil die Informationen für jeden frei verfügbar sind. Das ist eine absolute Demokratisierung des Journalismus.

    Nur leider macht sich das werbefinanzierte Modell selbst kaputt, weswegen man nun auf diese Bezahlschranken ausweicht. Ich persönlich denke, hätten wir nicht diese ganzen Focus Onlines und andere Protagonisten, die die eigenen Seiten mit Bling-Bling-Werbung zu pflastern, dann würde es nicht einmal ansatzweise so viele Adblock-Nutzer geben. Womöglich nur zehn Prozent anstatt wie in manchen Branchen 25 – 40 Prozent. Es ist eine Fragen nach Huhn oder Ei – wer hat angefangen, den anderen zu ärgern?

    Für mich ist die Antwort klar. Die Werbeindustrie hat es versaut und die großen Verlage nutzen ihre Marktmacht nicht gebührend um der Werbeindustrie Beine zu machen: Jetzt kommen eben Bezahlschranken.

    Ob die aber für die Einnahmen sorgen werden, die sich die Verlage erhoffen, hängt eben a) vom Preis, b) vom Angebot, c) von der Einfachheit der Zahlungsmöglichkeiten und d) von der Produkttransparenz ab. Wie beschrieben, probiert es aus. Aber macht es so dass der Kunde nicht verarscht wird und macht es so, dass auch die Bezahlinhalte irgendwann zum Allgemeingut werden.

    • Anja · Juni 8, 2013

      Leider sind die, die unter dieser Entwicklung leiden, wieder die Kleinen. Immer mehr Blogger können sich nicht mehr über Werbung finanzieren, eben aufgrund steigender Adblocker-Nutzer. Die Großen wie Bild führen eine Paywall ein und alles ist gut. Macht das ein kleiner Blogger, wereden seine Leserzahlen gegen Null tendieren. Leider mal wieder ein Schritt in die falsche Richtung.